Bilden sich Senioren?

Bildungsbericht 2023

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und die Schweizerische Konferenz der Erziehungsdirektorinnen und Erziehungsdirektoren (EDK) veröffentlichen in regelmässigen Abständen einen «Bildungsbericht Schweiz». Darin sind bislang die spezifischen Bildungsaktivitäten älterer Erwachsener nicht enthalten.

Nicht zuletzt dieser Umstand hat den Schweizerischen Verband der Seniorinnen- und Seniorenuniversitäten (U3) und den Verband der Schweizerischen Volkshochschulen (VSV) dazu bewogen, im Jahr 2023 eine Umfrage bei den jeweiligen Mitgliedern durchzuführen und die Ergebnisse im «Schweizer Bildungsbericht 65+ 2023» zu veröffentlichen.

Die Bildung älterer Menschen rückt einerseits aus rein statistischen Gründen vermehrt ins Zentrum des Interesses. Waren im Jahr 2010 in der Schweiz 1,33 Millionen Schweizer 65-jährig oder älter, so waren es im Jahr 2023 schon 1,73 Millionen oder 30 Prozent mehr; das Durchschnittsalter in der Schweiz ist in diesem Zeitraum um 3,4 Jahre gestiegen. Anderseits wachsen im Zusammenhang mit dem generell gestiegenen Bildungsstand der Bevölkerung auch die Bildungsaspirationen älterer Erwachsener.

Aus dem Bericht seien fünf Ergebnisse zum Besuch von Veranstaltungen von U3 und VSV herausgegriffen:

  1. Motivation: Hier wurden in absteigender Intensität die Faktoren «Allgemeinbildung erweitern», «Freude am Lernen», «Mich geistig fit halten», «Sinnvolle Freizeitbeschäftigung», «Bei aktuellen Themen mitreden können», «Kennenlernen neuer Leute» genannt.

  2. Nutzen: Hier wurden, wiederum in absteigender Intensität, die Aspekte «Sinnvolle Lebensgestaltung», «Offenheit für Fragen des wissenschaftlichen Fortschritts», «Förderung des sozialen Austausches unter älteren Menschen», «Beschäftigung mit der Zukunft nachkommender Generationen», «Gesundheitsvorsorge», «Beteiligung am politischen Leben» erwähnt.

  3. Themenbereiche: Sowohl bei den Befragten von U3 als auch bei den Befragten des VSV stehen «Geschichte, Kulturgeschichte», Gesellschaft und Politik» sowie «Kunst, Gestaltung, Kreativität, Literatur und Musik» im Vordergrund. Darüber hinaus unterscheiden sich die Präferenzen: Bei den Befragten von U3 haben «Sprachen und Fremdsprachen» mehr Gewicht, während bei den Befragten des VSV «Naturwissenschaften, Umwelt und Technik», «Philosophie, Psychologie, Kommunikation», «Gesundheit, Ernährung und Medizin» sowie «Bewegung und Sport» stärker gewichtet sind.

  4. Präsenzveranstaltungen versus Onlineveranstaltungen: Die Befragten sprechen sich deutlich für Präsenzangebote aus; dennoch befürworten 45% davon auch eine Onlineteilnahme.

  5. Zufriedenheit: Sowohl die Befragten von U3 als auch die Befragten des VSV äussern sich grossmehrheitlich sehr positiv zum Angebot (Mittelwert von 3.38 auf einer Skala 1 – 4).

Bis spätestens 2028 wird im Rahmen eines mutmasslich vom SBI geförderten Projekts eine erneute Befragung durchgeführt. Es ist zudem zu hoffen, dass im nächsten generellen Bericht   des SBFI und der EDK die Bildung von älteren Erwachsenen ihren angemessenen Platz findet.

Hans-Rudolf Schärer, Co-Präsident des Schweizerischen Verbands der Seniorinnen- und Seniorenuniversitäten U3

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